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die Krux vom CO2

1. Einstieg

Sind KVA CO₂-Schleudern oder CO₂-neutral?

Beides stimmt – je nachdem, welche Brille man aufsetzt:

  • Physikalisch: Bei der Verbrennung von Abfall in KVA entsteht sehr viel CO₂. Die Anlagen verursachen rund 5 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Schweiz.

  • Politisch/bilanziell: Ein Teil dieses CO₂ wird in der Klimarechnung als „CO₂-neutral“ gezählt, weil er aus biogenem Material stammt (Papier, Holz, Bioabfälle). Nur der fossile Anteil (Plastik, Kunststoffe) wird voll angerechnet.

Das CO₂ aus dem Kamin verschwindet dadurch nicht. Es wird nur in der Rechnung anders behandelt.

„Bei der Verbrennung von Kehricht entsteht pro Tonne Abfall ungefähr eine Tonne CO₂. Dieses CO₂ wird direkt über den Kamin der KVA in die Atmosphäre abgegeben und vollständig im offiziellen Treibhausgasinventar des Bundes (BAFU) (download hier, Seite 28 die Tabelle) erfasst – allerdings im Sektor Industrie/Abfall und nicht im Energiesektor. Die aus der Verbrennung stammende Abwärme (z. B. Fernwärme) gilt deshalb in der Energiebilanz als CO₂‑frei, weil die zugehörigen Emissionen bereits im Abfallsektor bei der Kehrichtverbrennung bilanziert wurden. Fazit: Die Kehrichtverbrennung verursacht erhebliche CO₂‑Emissionen. Diese werden jedoch nicht der Energieproduktion zugerechnet, sondern der Abfallentsorgung.“

Worum es mir wirklich geht

Letztlich geht es mir nicht darum, ob eine KVA nun 3 %, 5 % oder 7 % der Schweizer CO₂‑Emissionen verursacht. Und es geht mir auch nicht darum, wie viel CO₂ genau aus einem Kamin in die Atmosphäre gelangt. Diese Zahlen sind öffentlich zugänglich und unbestritten.

Worum es mir geht, ist etwas anderes: die Art und Weise, wie offizielle Stellen gegenüber der Bevölkerung kommunizieren.

In Broschüren, Präsentationen und Abstimmungsunterlagen wird regelmässig mit Begriffen wie:

  • CO₂‑neutral

  • umweltgerechte Energie

  • Nachhaltigkeit

  • klimaneutrale Wärme

  • klimafreundliche Energie für Menschen und Prozesse

  • erneuerbare, regionale Wärme

  • klimafreundliche Fernwärme

  • ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung

geworben.

Diese Begriffe erzeugen beim durchschnittlichen Leser den Eindruck, dass die Wärme aus einer KVA keine oder kaum CO₂‑Emissionen verursacht. Genau dieser Eindruck ist falsch.

Die Realität ist einfach:

  • Bei der Verbrennung von Abfall entsteht immer CO₂.

  • KVA gehören zu den relevanten Punktquellen für Treibhausgase in der Schweiz.

  • Die Branche selbst investiert Milliarden in CO₂‑Abscheidung, weil die Emissionen eben nicht klimaneutral sind.

  • Die Bezeichnung „CO₂‑neutral“ beruht auf Bilanzierungsregeln, nicht auf physikalischen Tatsachen.

Mein Anliegen ist Transparenz. Wenn man der Bevölkerung eine neue Energiezentrale verkaufen will, dann soll man das tun – aber bitte mit klaren, ehrlichen Begriffen. Nicht mit Schlagworten, die mehr versprechen, als die Technologie halten kann.

Es geht nicht um Ideologie. Es geht nicht um Stimmung. Es geht um korrekte Information, damit sich die Bürgerinnen und Bürger ein realistisches Bild machen können.

2. Offizielle Fakten: Wie viel CO₂ kommt aus KVA?

2.1 Was der Bund sagt

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schreibt:

  • Die 29 KVA in der Schweiz verursachen rund 5 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Schweiz.

  • Die Emissionen aus der Abfallverbrennung sind so relevant, dass der Bund und die KVA‑Betreiber eine Vereinbarung zur Reduktion der CO₂‑Emissionen abgeschlossen haben.

  • Die Betreiber verpflichten sich darin, bis 2030 Anlagen zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂ in Betrieb zu nehmen.

Kurz gesagt: Wenn KVA klimatisch unproblematisch oder „CO₂-frei“ wären, bräuchte es keine nationale Vereinbarung zur Reduktion ihrer CO₂-Emissionen – und erst recht keine milliardenschweren CCS‑Investitionen.

2.2 Was die Branche selbst sagt

Der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) schreibt:

  • Um das Ziel Netto-Null 2050 zu erreichen, müsse „das CO₂, das bei der Verbrennung von Abfällen in KVA entsteht, abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden“.

  • Dafür wurde ein CO₂‑Kompetenzzentrum eingerichtet, das die Grundlagen für den grosstechnischen Einsatz von CO₂‑Abscheidung auf KVA erarbeitet.

Das ist eine erstaunlich klare Bestätigung: Die eigene Branche behandelt KVA als relevante und problematische CO₂‑Quellen – sonst wären CO₂‑Abscheidung und -Speicherung schlicht nicht nötig.

3. Der Kern: Physikalische Realität vs. Bilanzierungstrick

3.1 Frage/Antwort-Tabelle

 

​​Quellen für die physikalische Relevanz der CO₂‑Emissionen von KVA: Bundesamt für Umwelt (BAFU) und Vereinbarung zwischen Bund und KVA‑Betreibern.

4. Wie funktioniert die „CO₂-neutral“-Behauptung technisch?

  1. Abfall besteht aus zwei Teilen:

    • Biogener Anteil: Papier, Holz, Küchenabfälle, Baumwolle etc.

    • Fossiler Anteil: Plastik, Kunststoffe, synthetische Materialien.

  2. Bei der Verbrennung entsteht aus beiden Anteilen CO₂. Physikalisch ist es völlig egal, ob das CO₂ aus einem Holzrest oder einer PET‑Flasche stammt – es landet in der Atmosphäre.

  3. In der Klimarechnung (Bilanzierung) gilt:

    • CO₂ aus fossilen Quellen wird als voll klimawirksam gezählt.

    • CO₂ aus biogenen Quellen wird als „CO₂-neutral“ bilanziert, weil man annimmt, dass diese Biomasse vorher beim Wachsen CO₂ aufgenommen hat.

  4. Das Ergebnis:

    • Eine Tonne CO₂ pro Tonne Kehricht aus der KVA wird physikalisch vollständig ausgestossen. Im Falle von RENZO sind dies 160´000 to.

    • In der Klimabilanz wird aber nur der fossile Anteil angerechnet.

    • Das ermöglicht Formulierungen wie „zu x % CO₂-neutral“ oder „CO₂-freie Wärme“, obwohl faktisch 100% CO₂ im Rauchgas vorhanden ist.

  • Physikalisch: CO₂ ist CO₂. Es geht in die Atmosphäre – egal, aus welcher Quelle

    Politisch/bilanziell: Ein Teil dieses CO₂ wird als „neutral“ verbucht. Das ist ein Rechnungs-Trick, kein Schornsteinfilter.

5. Einordnung Argumente Befürworter

Befürworter stützen sich (sinngemäss) auf die Logik:

„Die KVA hat den Auftrag, Abfall thermisch zu verwerten. Die dabei anfallende Wärme gilt als CO₂-neutral, weil der biogene Anteil nicht als Emission gerechnet wird.“

Die Bilanzierung des Bundes (BFE/BAFU) sagt nicht, dass KVA kein CO₂ ausstossen. Sie sagt nur, dass der biogene Anteil des CO₂ in der Klimastatistik nicht als zusätzliche Emission gezählt wird.

Das ist eine Frage der Rechenregeln, nicht der Physik.

Dass KVA‑Emissionen klimarelevant sind, zeigen der Bund und die Branche selbst:

  • KVA verursachen rund 5 % der Treibhausgasemissionen der Schweiz.

  • Die Betreiber verpflichten sich vertraglich, CO₂‑Abscheidung bis 2030 einzuführen.

  • Der VBSA sagt ausdrücklich, dass das in KVA entstehende CO₂ abgeschieden und gespeichert werden muss, um Netto‑Null zu erreichen.

Damit stellst ich klar:

  • Ich bestreite nicht die Existenz der Bilanzierungsregeln.

  • Ich zeige dass diese Regeln nicht bedeuten, dass kein CO₂ entsteht.

  • ich verankere meine Aussage „KVA sind CO₂‑Schleudern“ direkt in Bund‑ und Branchenquellen.

6. Formulierung (neutral, hieb- und stichfest)

Warum ich KVA als CO₂-Schleudern bezeichne – und warum das keine „Falschaussage“ ist

In der öffentlichen Diskussion wird häufig behauptet, die von KVA gelieferte Wärme sei „CO₂-neutral“ oder sogar „CO₂-frei“.

  1. Fakt 1: Laut Bundesamt für Umwelt verursachen die 29 KVA in der Schweiz rund 5 % der gesamten Treibhausgasemissionen des Landes. Deshalb hat der Bund mit den Betreibern eine Vereinbarung zur Reduktion der CO₂‑Emissionen und zum Einsatz von CO₂‑Abscheidung (CCS) abgeschlossen.BAFU

  2. Fakt 2: Der Branchenverband VBSA hält fest, dass das bei der Abfallverbrennung entstehende CO₂ abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden muss, damit die Schweiz das Ziel Netto‑Null 2050 erreichen kann.

  3. Fakt 3: Die Aussage „CO₂‑neutral“ bezieht sich auf eine bilanzielle Betrachtung: Der biogene Anteil des CO₂ (z.B. aus Holz und Papier) wird in der Klimarechnung als „neutral“ geführt. Physikalisch wird dieses CO₂ aber genauso ausgestossen wie der fossile Anteil.

Schlussfolgerung:

  • Physikalisch sind KVA relevante CO₂‑Emittenten.

  • Bilanztechnisch wird ein Teil des CO₂ als „neutral“ gerechnet.

Wenn ich KVA als „CO₂‑Schleudern“ bezeichne, dann deshalb, weil ich von der physikalischen Realität der Emissionen spreche – und diese wird von Bund und Branche ausdrücklich bestätigt.

Die Behauptung, das sei „unwahr“ oder eine „wiederholte Falschaussage“, hält einer Überprüfung anhand der offiziellen Dokumente nicht stand.

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Markus Bürkli

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